Schreibender Schuljunge
  • Startseite
  • Einleitung
  • Ursprung der Gemeinschaftsschule
    • Jena-Plan-Schule
  • Reformpädagogik in der NS-Zeit
  • Zusammenfassung
  • Impressum
  • Kontakt
  • Sitemap
  • Links
Gemeinschaftsschule aktuell

Die Jena-Plan-Schule

Die Gemeinschaftsschule – Ein Konzept aus der NS-Zeit

Gegenüber der heute in Schleswig-Holstein durch das Schulgesetz von 2007 bestimmten  Ausprägung hatte Petersen auch die fachbezogene zeitliche Aufteilung des Unterrichts aufgehoben, nur in kurzen Intensiv-Phasen sollten Schwerpunkte gesetzt werden, um wenigstens ein bißchen Zielgebundenheit umzusetzen. Aber dieser Unterschied zu heute ist marginal, mit der Fusion der Naturwissenschaften zum Eintopf „Nawi“ (für Naturwissenschaften) ist hier ja auch schon ein weiterer Schritt zurück in Richtung Petersen getan.
Aber dieses äußere Merkmal ist hier vergleichsweise unerheblich. Der Kerngedanke Petersens, daß alle Kinder den gleichen Unterricht erhalten sollen, ist davon unberührt. Letztlich ist sein Ziel aber nicht der Bildungs-, sondern der Erziehungserfolg – im Sinne der führerorientierten, zur Duldung der Unterdrückung und zur Einordnung in die Masse gerichteten Persönlichkeitsentwicklung. In Kreisen linker Ideologen versteckt sich diese von den Nationalsozialisten angestrebte, ja, für ihren "Erfolg" unerläßliche Grundhaltung hinter dem von linker Seite propagierten Kommunitarismus. Auch dieser duldet keine liberale Individualität, kein Anderssein, keine Abweichung von der Zugrichtung des ganzen Schwarms. Hier treffen sich linke und rechte Allmachtsphantasten, die meinen, wie weiland Mao tse Tung mit seiner Kulturrevolution den Eltern das Recht zur Erziehung ihrer Kinder abzusprechen und dieses zum Gegenstand staatlicher Normensetzung zu machen.

Man darf das Petersensche Schulmodell nicht losgelöst von seinen, Petersens, inneren Überzeugungen, seiner gesellschaftlichen und politischen Einstellung sehen. Wie aus jüngst veröffentlichten Forschungsergebnissen eindeutig hervorgeht, war Petersen von nationalsozialistischem Gedankengut gerdezu beseelt. Aber nicht nur das. Letztlich hat er die Chance, die ihm mit der Professur an der Universität Jena gegeben wurde (wobei auch diese Postenvergabe mit einem Ziel und vielen Hintergedanken verbunden war) genutzt, um ein Schulmodell entsprechend seinen Vorstellungen zu schaffen. Mit diesem Schulmodell vervielfältigte er über die mittels der in und an diesem Modell ausgebildeten Lehrer seine Ideen und seine Vorstellung von einer Gesellschaft in seinem Sinne. Auf diese Weise hat er zu Verbreitung und zur Entwicklung des Nationalsozialismus in Deutschland an entscheidender Stelle, nämlich an den Schalthebeln über die Erziehungs- und Schulpolitik, gewirkt und diese Position intensiv genutzt. So hielt er nicht nur Vorträge über seine Erzeihungsideale und -methoden vor führenden NS-Funktionären, sondern wurde 1944 sogar ins KZ Buchenwald entsandt, um Vorträge über die Leitgedanken nationalsozialistischer Erziehung zu halten. Dorthin wurden sicher keine Leute entsandt, die auch nur den geringsten Zweifel an den Zielen Hitlers und seiner Leute hatten.

Dieses muß unerläßlich in die Auseinandersetzung mit dem Petersenschen Schulmodell Eingang finden. Seine Fernwirkung bis in unsere Zeit muß bedacht, diskutiert und berücksichtigt werden.

Peter Petersen, 1884 in Großenwiehe bei Flensburg geboren, wurde nach einigen Zwischenschritten 1923 Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Jena, in deren Hörsälen bereits seit 1922 regelmäßig die ersten vier Bänke für »Arier« freigehalten wurden, auch bestand dort zu der Zeit schon eine Hochschulgruppe der NSDAP (in: Freitag, Ost-West-Wochenzeitung. Mitherausgeber: F. Schorlemmer. 03.03.2000). Petersen lehnte Demokratie und liberales Denken grundsätzlich ab. Er schreibt:

„Die Erziehungswissenschaft, auf deren Grundlagen der Jenaplan ruht, ist die erste, welche volkstheoretisch begründet wurde. Wie sie sich eindeutig gegen jeden Liberalismus und Internationalismus, gegen Demokratie und Individualismus wandte, so auch gegen die idealistischen Theorien von der Menschheit; es gibt keinen Menschheitsbürger, es gibt nur Volksbürger“ (Peter Petersen in: „Die Deutsche Privatschule“ 1935).

Prof. Wolfgang Keim (in: Erziehung unter der Nazi-Diktatur. Bd. 1., Darmstadt 1995) stellt bilanzierend dazu fest: “Der durch sein Konzept des „Jena-Plans“ bekannt gewordene Peter Petersen (1884-1951) hat solche Elemente zu einer Gesellschaftstheorie als Grundlage für sein eigenes Erziehungskonzept zusammengefügt“.

Die Jenaplan-Schule genoß in der NS-Zeit das Wohlwollen der Nationalsozialisten – und konnte von Petersen auch nur daher so ungebunden entwickelt werden. Wissenschaftlich unbeanstandbares Arbeiten kann man Petersen nicht unterstellen, vielmehr gründete er seine zahlreichen Schriften auf Erlebnisberichte, empirische Beobachtungen, ohne je wertfrei zu hinterfragen, ob die so gewonnenen Erkenntnisse denn richtig seien. In einem selbstreferentiellen System, das er zur Freude der Nationalsozialisten ja zu ihrem Erfolg nicht nur ausfüllte, sondern mit der Ausbildung von Lehrkräften in diesem Institut auch für die weitere Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes, der Denkweise der Unterdrückung und Führer-Unterordnung Vorschub leistete, hatte er seine optimalen Lebens- und Arbeitsbedingungen gefunden.

Petersen hatte sich nicht nur mit den Nationalsozialisten arrangiert, er betrieb auch deren Ziel, ohne allerdings je selbst Mitglied der NSDAP geworden zu sein, soweit es bekannt ist. Mitglied des NSLB, des Nationalsozialistischen Lehrerbundes, der 1934 durch die Gleichschaltung aller bisherigen Lehrerverbände entstanden war, war er schon.

Im Jahre 1935, als schon sämtliche jüdische Professoren aus ihren Ämtern vertrieben und teilweise auch schon emigriert waren,  erklärte Peter Petersen der lesenden Lehrerschaft „die neue deutsche Erziehungswissenschaft“  in seinem Aufsatz  “Die erziehungswissenschaftlichen Grundlagen des Jenaplanes im Lichte des Nationalsozialismus“:

„Als im März 1933 die deutsche Bewegung zum Siege geführt war, da standen nur wenige Wissenschaften mit ihr in Linie: u. a. aber bestimmt die deutsche Soziologie und eng mit ihr verbunden die deutsche Erziehungswissenschaft. Sie waren aus gleichen Nöten und Sorgen wie jene erwachsen und begrüßten die befreiende Tat, nur noch fester entschlossen, ihr treu zu dienen bis zur vollen Befreiung des Volkes“ (Peter Petersen in: „Die Deutsche Privatschule“ 1935).

Da ihm keine NSDAP-Mitgliedschaft nachgewiesen werden konnte, mußte er sich nach dem Krieg und nach dem Ende der NS-Herrschaft 1945 auch keiner "Entnazifizierung" stellen. Allerdings lehnte der damalige Bremer Bildungssenator eine Bewerbung Petersens auf einen Lehrstuhl an der neugegründeten Bremer Universität unter Hinweis auf seine nationalsozialistische Vergangenheit ab. Aus gleichem Grunde ließen ihn in der SBZ, dem Vorläufer der DDR, auch die sowjetischen Machthaber fallen.

Näheres, und viele nicht nur wissenswerte, sondern geradezu als Pflichtlektüre anzusehende Details hat Günter Jansen zusammengetragen und auf seinen Webseiten dokumentiert. In diesem Zusammenhang sei besonder auf die Seite zu Peter Petersen und seinen Jena-Plan hingewiesen. Nehmen Sie sich aber auch die Zeit für die Elternbriefe, zumal, wenn Sie Grundschullehrer, Lehrer an einer weiterführenden Schule, Eltern oder Großeltern von jetzt, bald oder vor kurzem grundschulpflichtiger Kinder sind.

Im Rahmen eines u.a. von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten mehrjährigen Forschungsprojektes entstand  an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main ein nahezu lückenloses Bild der Lebensgeschichte und des Wirkens von Peter Petersen. Eine im Rahmen dieses Projektes entstandene Habilarbeit erschien vor wenigen Wochen als umfangreiches und gewichtiges Werk.

"Mythos und Pathos statt Logos und Ethos: Zu den Publikationen führender Erziehungswissenschaftler in der NS-Zeit: Eduard Spranger, Herman Nohl, Erich Weniger und Peter Petersen", Beltz - Verlag, ISBN 3407857985

Zuletzt aktualisiert am 23.09.09