Einleitung
Woher stammt das Konzept der Gemeinschaftsschule?
Die Diskussion neuer Schulformen wie z.B. der Gemeinschaftsschule hat in den vergangenen Jahren breiten Raum eingenommen. Dabei wurde von deren Kritikern mit Recht auf die von ihr zu erwartenden Probleme im Unterrichtsalltag hingewiesen, die sich jetzt, schon kurz nach ihrer Einführung, als richtig und begründet erweisen.
Davon soll hier aber nicht primär die Rede sein. Bislang wurden von denen, die die Gemeinschaftsschule in die bildungspolitische Diskussion eingebracht und sie vertreten haben, „die skandinavischen Schulen“ als lehrreiches Beispiel genannt. Daneben wurde – gerade in Schleswig-Holstein, wo die Gemeinschaftsschulen durch das neue Schulgesetz von 2007 zum Angebotsbestandteil der Schullandschaft gemacht wurden, auch das Konzept der Jena-Plan-Schule des Erziehungswissenschaftlers Peter Petersen herbeigezogen.
Die Gemeinschaftsschule im Sinne dieser Diskussion wird mit der nach dem Schleswig-Holsteinischen Schulgesetz von 2007 entstandenen Gemeinschaftsschulordnung beschrieben.Tatsächlich decken sich die Grundzüge der sog. Jena-Plan-Schule (darüber weiter unten einiges mehr) mit der Architektur der Gemeinschaftsschule weitgehend:
- Gemeinsamer Unterricht aller Schüler,
- keine Benotung der Leistung – und damit auch kein Maß für den Lernerfolg,
- keine Klassenwiederholung,
- die besseren Schüler sollen den Schwächeren auf die Sprünge helfen und ihnen nicht verstandenen Stoff erklären,
- die Lehrkraft stellt allenfalls Informationsmaterial zur Befriedigung der kindlichen Neugier zur Verfügung.
- Letztlich legt jedes Kind für sich fest, was es lernen will – und was nicht.
All diese Kernmerkmale finden sich auch im 1927 von Peter Petersen erstmals vorgestellten Konzept seines Schulentwurfs. Sie wurden danach an der sog. Universitäts- oder Übungsschule an der Universität Jena umgesetzt und dienten dort – bis 1945 - mehreren Generationen von dort ausgebildeten Lehrkräften als Übungs- und Anschauungsfeld.
Die Grundidee des Jenaplan... ist die der Gemeinschaftsschule.
Wer könnte die Übereinstimmung der Konzepte von Gemeinschaftsschule und Petersenscher Jena-Plan-Schule authentischer darstellen als Reinhard Kahl, selbsternannter Bannerträger der "Treibhäuser der Zukunft", der seit Jahren unermüdlich gegen die ach-so-anrüchigen begabungs- und bedarfsgerecht entwickelten Schulformen Haupt- und Realschule sowie Gymnasium kämpft. Auf einer seiner Webseiten fanden wir diesen Text über die nach der Wende in Jena neugegründete Jenaplan-Schule:
" Die Grundidee des Jenaplan, den der Reformpädagoge Peter Petersen in den zwanziger Jahren entwickelt hatte, ist die der Gemeinschaftsschule. Schüler sollen nicht nur mit gleichaltrigen Kindern oder Jugendlichen zusammen sein. Sie lernen besser in gemischten Gruppen. Nicht nur, weil Jüngere von Älteren lernen - die Älteren bekommen auch von den Jüngeren Impulse.
Verschiedenheit zuzulassen, Freiheit zu wagen, die Pflicht, zu erklären, was man will und zu verantworten, was man getan hat - das war so ziemlich das größte denkbare Gegenteil zur Schule der DDR. Aber auch im Westen herrscht – wie man weiß – noch Lehrplanwirtschaft.
In Jena wurde in der Wendezeit diese Schule gegründet, die so sehr an lichte deutsche Bildungstraditionen anknüpft und auf die dunklen verzichtet. Später wurde sogar ein Passus in das Thüringer Schulgesetz aufgenommen, der reformpädagogisch ausgerichteten Schulen besondere Spielräume zubilligt, zum Beispiel was die Notengebung betrifft oder die Möglichkeit, vom Kindergarten über die zehnjährige Regelschule bis zur gymnasialen Oberstufe alles unter einem Dach zu haben. Eine Schule muss also nicht bloß Gesetze erfüllen, sie kann auch auf deren Veränderung hinwirken. Und es zeigt sich: So etwas wie den „Geist“ einer Institution gibt es wirklich. Er wirkt in der großen Konzeption wie im Alltag jedes Schülers.
Zuletzt aktualisiert am 23.09.09
