Kritik an der Gemeinschaftsschule -
eine neue Dimension:
Die Jena-Plan-Schule, Vorläuferin der Gemeinschaftsschule, entstand als Erziehungsinstrument für den Aufbau einer nationalsozialistisch geprägten Gesellschaft.
Als Peter Petersen in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts das Konzept für die "Jena-Plan-Schule" entwarf, war sein erklärtes Ziel, ein Umfeld für die Erziehung junger Menschen im völkischen, führerorientierten, nur auf die reibungslose Gemeinschaftsanpassung gerichteten Sinn zu schaffen.
Petersen legte seine Schule so an, daß schon allein durch ihre Struktur Demokratie, liberales Denken und Individualität unterdrückt wurden. Eben dieses war sein oberstes Ziel, die Schule als staatliches Erziehungsinstrument zu nutzen. Eine Wissensvermittlung als Zweck und Aufgabe der Schule trat dahinter weit zurück.
Alle charakteristischen Merkmale der heutigen Gemeinschaftsschule finden sich bereits im Jena-Plan-Konzept von 1927 wieder. Daraus ergibt sich die Frage, was die Befürworter der heutigen Gemeinschaftsschule eigentlich bezwecken, und weiter die Frage, ob eine solche Schulstruktur, die zwangsläufig durch ihr an NS-Idealen orientiertes Leitbild zu gar keinem anderen Ergebnis als der Erziehung willfähriger Untertanen mit begrenztem Wissensschatz führen kann, in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ihren Platz haben kann.
Auch wenn mancher Politiker die Diskussion über die Schulreform, insbesondere über die Gemeinschaftsschule, inzwischen als Belästigung empfindet - die Entscheidung vieler Schulträger in Schleswig-Holstein, eine Gemeinschaftsschule an die Stelle bisheriger Real- und Hauptschulen zu setzen, und die Entscheidung des Landtags vom Februar 2007, Haupt- und Realschulen restlos aus dem Schulgesetz zu streichen und sie durch Gemeinschaftsschulen oder auch Regionalschulen zu ersetzen, in denen für die Haupt- bzw. Realschule empfohlene Schüler trotz dieser Empfehlung zwei weitere Jahre obligatorisch zusammen unterrichtet werden, bleiben fragwürdig. Besonders vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse, die bislang unbekannte Fakten zutage förderten.
Die Kritiker der Gemeinschaftsschule, in der alle Kinder nach dem vierten Schuljahr, egal, welche Empfehlung sie von der Grundschule für die Auswahl einer weiterführenden Schule mitbekommen haben, gemeinsam unterrichtet werden, haben ja schon immer beklagt, daß die Kinder hier über den selben Kamm geschoren werden. Von Einheitsschule nach DDR-Vorbild war und ist die Rede, von Gleichmacherei. Stimmt alles, aber es ist noch schlimmer. Viel schlimmer.
Der Architekt der Jena-Plan-Schulen: Peter Petersen
Die politischen Mütter und Väter der heutigen Gemeinschaftsschule berufen sich neben dem vordergründig genannten Vorbild der "skandinavischen Schulen" auch immer wieder auf das Konzept der sog. Jena-Plan-Schule, die in den Zwanzigern des 20. Jahrhunderts von Peter Petersen entwickelt wurde. Petersen gilt bis heute bei vielen als renommierter Reformpädagoge. Seine Bücher verkaufen sich, immer wieder neu aufgelegt, auch nach seinem Tod 1952 kaum verändert, immer noch in zigtausender - Auflagen.
Nun haben sich in den letzten Jahren mehrere Forscher des Werkes, des Lebens und der Einordnung der Arbeiten Peter Petersens in der Erziehungswissenschaft angenommen. Erstaunlicherweise blieben die Resultate bislang weitgehend unbeachtet; wir wurden durch den Hinweis eines schon länger im Ruhestand lebenden Schulleiters auf dieses Thema aufmerksam gemacht.
Wir haben hier im Schleswig-Holsteinischen Elternverein in den letzten Wochen - gemeinsam mit am Thema interessierten Bürgern in ganz Deutschland - hunderte von Seiten an Dokumenten, Forschungsberichten und antiquarisch erworbenen Originalquellen durchgearbeitet und sind zu dem Schluß gekommen, daß es, wenn auch sehr kurzfristig vor der Landtags- und Bundestagswahl, doch notwendig ist, jetzt auf unsere Erkenntnisse hinzuweisen und sie zu veröffentlichen. Wir würden uns freuen, wenn Sie möglichst viel von dem, was wir jetzt bei der Veröffentlichung dieser Webseite hier schon verfügbar machen können, durchlesen und bewerten und die öffentliche Diskussion hierüber beleben. Wir ergänzen diese Webseite in den nächsten Tagen noch weiter, das Wichtigste finden Sie in unseren Analysen und auf den über die "Links" - Seite (Obere Menüzeile) erreichbaren Seiten "Grundschulservice".
Zur Wahl steht ein Schulmodell aus der NS-Zeit.
Prüfen Sie bitte sorgfältig, ob Sie Ihre Stimme einer Partei geben wollen, die mit der Gemeinschaftsschule ein Schulmodell fordert und fördert, das von einem durch und durch undemokratischen und nationalsozialistischen "Wissenschaftler" als Erziehungsinstrument für eine nationalsozialistisch geprägte Gesellschaft entwickelt wurde. Denn genau das war Peter Petersen, wie Sie hier und in den von uns genannten Quellen unschwer erkennen können. Ein Original-Zitat aus einer Petersenschen Veröffentlichung an dieser Stelle:
Peter Petersen: Die erziehungswissenschaftlichen Grundlagen des Jenaplanes im Lichte des Nationalsozialismus. In: Die Schule im nationalsozialistischen Staat. 11. Jg. 1935, Nr. 6, S. 1-5.
S 3: "Die Erziehungswissenschaft, auf deren Grundlagen der Jenaplan ruht, ist die erste, welche volkstheoretisch begründet wurde. Wie sie sich eindeutig gegen jeden Liberalismus und Internationalismus, gegen Demokratie und Individualismus wandte, so auch gegen die idealistischen Theorien vom Menschen."
Es ist uns unverständlich, wie mehrere sonst im Ruf demokratischer Tugenden stehende Parteien ein Schulmodell propagieren können, dessen Zweck sein Erfinder Peter Petersen so beschreibt (wörtlich zitiert, Hervorhebung durch uns):

"1. Auffassungen vom "totalen Staate" heben ihn über die politische Sphäre i.e.S. hinaus und glauben an den "Kulturstaat", einen vergotteten Staat, in dem das Edelste des Volkstums nicht nur geschützt, verteidigt, organisiert, sondern mithervorgebracht, ja nach einigen allein erzeugt wird. Von ihm her, in dem Grade der Hingabebereitschaft und der Tatverbundenheit verschieden, erlangt jeder Einzelne seinen Wert, seinen Rang als Mensch. Dabei wendet sich diese Lehre stets gegen demokratische und liberalistische Ansichten. Der Einzelne hat nicht seinen Wert als Bürger, als Staatsbürger, sondern als Glied des Volkes, so daß aus dieser Ideenwelt heraus das Wort von der "volksbürgerlichen Erziehung" (Wilhelm Stapel) im bewußten Gegensatz zur staatsbürgerlichen geprägt werden konnte. Auch Georg Kernschensteiner (1854 - 1932) hat in seiner Schrift "Der Begriff der Arbeitsschule", 1911, einen ethischen Staatsbegriff verwandt als das Ideal, dem der gegebene Staat zugeführt werden müsse. Der ideale Zustand kann aber nur von "Persönlichkeiten" herbeigeführt werden. An ihrer Entwicklung zu arbeiten, wird die Aufgabe der Schule als Arbeitsschule, insofern als sie auch die Kräfte der Schüler, die sich auf die Vervollkommnung des eigenen Ich richten, anregt und formen hilft. Dann erwacht im Jugendlichen schon Neigung und Kraft, neben der Berufsarbeit und durch sie "seinen Teil beizutragen, daß die Entwicklung des gegebenen Staates, dem er angehört, in der Richtung zum Ideal eines sittlichen Gemeinwesens vor sich gehe. Erst in diesem Zusammenhang kann der subjektive Persönlichkeitswert zum objektiven Werte werden und damit Anspruch auf einen Erziehungswert machen." (Peter Petersen, Pädagogik der Gegenwart, 1937, S. 165) .
Wir sind der Auffassung, daß unsere Kinder in einer Schulform, die von Petersen eigens dafür entwickelt wurde, diese Erziehungsziele schon durch die Struktur und Gestaltung des Unterrichts zu erreichen, nichts verloren haben. Unsere Lehrer übrigens auch nicht.
Keine Kritik an unseren Lehrkräften!
Und das ist uns hier ganz wichtig: Mit unserer Kritik an der politischen Entscheidung des Jahres 2007, die Gemeinschaftsschule in Schleswig-Holstein einzuführen, richten wir uns an die Politik. Die Initiatoren der Idee, eine Gemeinschaftsschule nach dem Muster der Jenaplan-Schule als "Schule für alle" etc. zu schaffen, haben, gelinde gesagt, zumindest grob fahrlässig gehandelt. Wir unterstellen, daß die meisten, die diese Idee lautstark und mit unerfüllbaren Versprechen, wie, daß diese Schulart auch mittels einer anzugliedernden Oberstufe zum Abitur führen könne, unbedarft und unwissend bezüglich der historischen Dimension waren und sind.
Keinesfalls soll aus unserer Kritik jedoch auch nur der Anflug eines Gedankens an einen Vorwurf gegenüber der heutigen Lehrerschaft entstehen, daß sie unsere Kinder undemokratisch erziehe. Wir sind der festen Überzeugung, daß alle Lehrkräfte unseres Landes überzeugte Demokraten und frei vom Gedankengut eines Peter Petersen sind. Wir wissen aber auch, wie streng die bisherige Bildungsministerin mittels der Instrumentarien ihres Hauses Widerspruch kleinhielt; daher haben wir Verständnis dafür, daß die meisten Lehrkräfte in Befolgung des Beamtenrechtes die dienstlichen Anordnungen nicht nur zum Umsetzen des Gesetzes, sondern schon zur Unterdrückung von Kritik in der politischen Auseinandersetzung fürchteten und zähneknirschend geschwiegen haben.Sollte es in unseren politischen Kreisen allerdings Leute geben, die um die historischen Zusammenhänge und die Ursprünge der Gemeinschaftsschule als von den Nationalsozialisten wohlwollend betrachtetes und gefördertes Erziehungsinstrument wußten und dieses bislang verheimlicht haben, so sei diesen gesagt, daß sie alle Mißachtung verdient haben.
Zuletzt aktualisiert am 24.09.09
